China

Peking: Zaha Hadid

Hinter einfachen Behausungen taucht der Gebäudekomplex Wangjing SOHO auf. Unwirklich wie eine Fata Morgana und im Kontrast zum Lebensumfeld auf dieser Seite des sandigen Feldes. Aber auch im Kontrast zu den benachbarten Firmensitzen von Daimler, Microsoft und anderen Unternehmen. Die Gestalt der SOHO Gebäude verabschiedet sich von den traditionellen und noch immer aktuellen kubischen Formen. Sie erinnern an in der Landschaft liegende – oder stehende – Kieselsteine. Formen, die neu sind in der Architektur und trotz ihrer Anmut gewaltig.

Die aus dem Irak stammende britische Architektin Zaha Hadid wurde einmal dafür kritisiert, dass ihre Formensprache die Funktion und den Ort überdecken würde, in dem die Gebäude stehen. Aber kann nicht auch die Form prägend sein für den Ort und diesen entwickeln?
Ja, die Kieselsteine wirken fremd. Aber sie wirken hier nicht fremder als in Tokio oder New York. Und Peking hat sich zu einem wichtigen Ort für zeitgenössische Architektur entwickelt.
Beim Näherkommen werden die Kieselsteine zu Findlingen und schließlich zu ausgewaschenen Felsen.

Auf der von den drei gewölbten Türmen umgebenen Plaza zieht ein werden die Betrachter*innen in ein optisches Liniengewirr gezogen. Helle Streifen, die die dazwischen liegenden Fensterreihen voneinander absetzen, werden mal breiter und wieder schmaler und scheinen sich im nächsten Turm wiederzufinden, während sich dieser im ersten spiegelt. Ein visuelles Erlebnis aus Glas, Stein und Aluminium.

 

Der höchste Turm ist 200 Meter hoch. Die unteren drei der bis zu 37 Stockwerke dienen der kommerziellen Nutzung: Läden, Cafés und Dienstleister. Die Planer*innen waren bestrebt, einen Ort zu schaffen, der auf seine Umgebung ausstrahlt und diese einbezieht.
Das äußere Design von Wangjing SOHO schwingt im Inneren weiter. Säulen, Gänge, Licht und Möbel nehmen die Schwünge des Äußeren auf, führen sie fort und entlassen sie an anderer Stelle wieder.

Während das Viertel Wangjing außerhalb des vierten Stadtrings und damit entfernt vom Zentrum liegt,  befindet sich das Schwestergebäude Galaxy SOHO zentraler am 2. Stadtring im Verkehrsknotenpunkt Dongzhimen.  Aus der Adresse ist zu lesen, dass auf dem Gelände zuvor ein Hutong stand: Nr.7a Xiao Pai Fang Hutong.

Die vier Türme des Komplexes sind durch Stege und Fußgängerbrücken miteinander verbunden – alle individuell gestaltet. Sie geben dem Gebäudekomplex eine gegenüber Wangjing erweiterte Dynamik. Hier lösen sich die hellen Streifen von den Gebäuden und schwingen mit den Brücken und Stegen zu den anderen Türmen herüber.
Die zwischen den Gebäuden liegenden Plätze bieten großflächige Sitzgelegenheiten, umgeben von Wasserspielen, farblichen Gestaltungen und Mustern im verlegten Stein. 

Zwischen den Flanierenden kurvt das Aufsichtspersonal mit elektronischen Segway-Rollern. Mit den gestalteten Plätzen zwischen vier Häusern zitiert Zaha Hadid Architects traditionelle chinesische Wohnhöfe.
In der traditionellen chinesischen Architektur war ein innen liegender Hof von vier Gebäuden umgeben. Tempel-, Palast- und Hofanlagen und größere Wohnhäuser basierten im alten China auf dem Grundmuster dieses chinesischen Rechteckes oder Vierseithofes. Der Innenhof war ein begrüntes Zimmer im Freien und diente als Treffpunkt der Bewohner*innen.

Wie in Wangjing befinden sich in den unteren drei Etagen Gewerbeflächen und Entertainment-Einrichtungen. Darüber liegen zwölf Büroetagen und im obersten Stockwerk Restaurants, Cafés und Bars.

Auch in den oberen Etagen werden die Türme durch Brücken und Stege miteinander verbunden, sodass etwas wie ein geschwungenes Labyrinth entsteht. Wir folgen den Pfaden und wissen bald nicht mehr, in welchem der vier Türme wir uns gerade befinden. Alles ist miteinander verwoben. Und alles ist ähnlich.

 

Im größten der vier Türme befindet sich ein Einkaufszentrum mit Einzelhandelsläden. Die Verkleidung der die Stockwerke verbindenden Rolltreppen wird in die Balustrade der Etagen überführt und bildet so weitere Elemente dynamischer Linien.Der Innenbereich des Einkaufszentrums ist mit einem Glasdach überspannt, das einen Durchblick auf die darüber liegenden Büroetagen ermöglicht und Tageslicht bis zum Boden führt.

Flughafen Beijing

Zaha Hadid hat ihre Bauten gemeinsam mit ihrem Partner Patrik Schumacher entwickelt. Seid dem Tod Hadids im Mätrz 2016 führt er das Label ZHA weiter und realisiert mit seinem Team Bauten, die schon in Zusammenarbeit mit Zaha Hadid für Peking entwickelt wurden: den Beijing-Tower Leeza SOHO im Lize Financial Business District und den neuen internationalen Flughafen Peking-Daxing. (Foto: Zaha Hadid Architects)