Westjordanland

Hebron: Unter Kontrolle

Hebron ist eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt. Und es ist eine der vier heiligen Städte des Islam (mit Mekka, Medina und Jerusalem) wie auch des Judentums (mit Jerusalem, Tiberias und Safed). Und damit eine Stadt des Konflikts. Seit Jahrhunderten.

Schon vor fünfhundert Jahren gab es ein Massaker an den Juden von Hebron, befehligt von einem Stellvertreter des osmanischen Sultans. Und in der britischen Mandatszeit gab es 1929 ein weiteres Massaker: nach Unruhen ermordete eine aufgebrachte Gruppe Araber 64 Juden. In der Folge wurde die gesamte jüdische Bevölkerung aus der Stadt vertrieben.

In Hebron liegt das Grab Abrahams, auf den sich das Judentum, der Islam und das Christentum als ihren Stammvater berufen. Diese drei Abrahamitischen Religionen sind monotheistisch, erkennen nur einen allumfassenden Gott an. Und sie bekämpfen sich in der Auslegung.

1997 wurde die Stadt im Zuge eines Hebron-Abkommens in zwei Zonen aufgeteilt: H1 und H2.  In Zone H1 leben etwa 140.000 palästinensische Araber*innen, Israelis ist der Zutritt untersagt. In Zone H2 leben ca. 30.000 palästinensische Araber*innen und etwa 800 jüdische Siedler*innen. Die Hauptstraße in Zone H2 darf von Palästinenser*innen nicht betreten werden.

 

Um die Regelungen aufrecht zu erhalten, wird die Stadt kontrolliert. Von israelischen Soldat*innen, von der palästinensischen Polizei und von einer internationalen Beobachtungsgruppe. Seit ein jüdischer Siedler 29 palästinensische Bewohner*innen ermordet hat, beobachtet die TIPH (Temporary International Presence in the City of Hebron) die Straßen der Stadt.

Ein normales Leben ist unter diesen Bedingungen kaum möglich. Immer wieder gibt es Straßensperren und Übergänge, die nur mit einer Sondergenehmigung passiert werden dürfen. Von den Israelis in die eine, von den Palästinensern in die andere Richtung. Wenn auf der einen oder anderen Seite Menschen ohne Genehmigung angetroffen werden, geleitet man sie zum nächsten Checkpoint. Eine Stadt unter Kontrolle.

Als Besucher*in der Stadt wird man von beiden Seiten willkommen geheißen – allerdings sollte man auf der einen Seite keine Kippa und auf der anderen keine Kufija (Palästinensertuch) tragen. Und obwohl Hebron eins der Brennpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt ist, gibt es Annäherungen über die Fronten hinweg. So hat eine Gruppe junger Palästinenser*innen 2018 in Hebron den Sederabend für das jüdische Pessach-Fest ausgerichtet. Dabei haben sich Israelis und amerikanische Juden mit den Palästinenser*innen getroffen und gemeinsam bekräftigt, dass sie das Zusammenleben lernen wollen.

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