Deutschland

Weimar: Staatliches Bauhaus

Der Architekt und Designer Henry van der Felde entwarf 1904 als deren Leiter die Gebäude der Kunstgewerbeschule Weimar.  Sein Nachfolger Walter Gropius gründete hier 1919 das erste Staatliche Bauhaus. Gropius verstand die Architektur als Gasamtkunstwerk und holte führende Künstler nach Weimar: Feininger, Itten, Klee, Kandinsky und Schlemmer. Sie schufen gemeinsam mit den anderen künstlerischen Werkstattleitern und der einzigen Leiterin Gertrud Grunow einen avantgardistischen Stil der klassischen Moderne, der bis heute prägend ist. 

Dieser Stil wurde von der niederländischen Gruppe De Stijl, deren Gründungsmitglied Theo von Doesburg Kurse in Weimar gab, beeinflusst.

1925 änderte sich die politische Situation in Thüringen, die Zuschüsse wurden gekürzt und die Bauhäusler bezogen ein neues Domizil im liberaleren Dessau. Als die NSDAP 1932 die Wahlen in Dessau gewann, hielt sich das Bauhaus noch ein Jahr in Berlin, bevor es zur Selbstauflösung gezwungen wurde. Viele Lehrkräfte und Student*innen emigrierten nach Israel oder in die USA. 

In Weimar existierte auch nach der Neugründung des Bauhauses in Dessau eine Hochschule für das Bauwesen – sowohl während des Nationalsozialismus als auch in der Zeit der Demokratischen Republik. Mit der deutschen Wiedervereinigung gab es eine Neustrukturierung und die Ausbildungsstätte wurde zur heutigen Bauhaus-Universität Weimar.

Das alte Haupthaus der Universität wurde 1999 renoviert und in den Originalzustand versetzt. Im Treppenaufgang trifft man wieder auf die Wandmalereien von Oskar Schlemmer und Herbert Bayer, dem damaligen Jungmeister für Druck und Reklame.
Die in den Ateliers zu entdeckenden Architekturmodelle verweisen auf die Moderne von Gropius bis Ludwig Mies van der Rohe, dem letzten Leiter des Bauhauses in Dessau.

Das von Georg Muche entworfene und 1923 realisierte Musterhaus am Horn ist das einzige in Weimar fertiggestellte Bauhaus-Gebäude. Es wurde als Prototyp für eine Ausstellung errichtet und diente anschließend Jahrzehnte als Privathaus. Der im Zentrum gelegene Hauptraum erhielt Tageslicht allein durch Oberlichter der hier höher gesetzten Decke. 1996 wurde das Haus am Horn zum Weltkulturerbe erklärt und saniert. Zum 100. Jubiläum des Bauhauses wird das Musterhaus nun in seinen Originalzustand zurück versetzt und im Mai 2019 wieder eröffnet.

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