Tschechien

Terezín: Durchgangslager Theresienstadt

Festung. Garnisonsstadt. Sammellager. Vorzeige-Ghetto. Gestapogefängnis. Konzentrationslager. Hinrichtungsstätte. Internierungslager. Kaserne. Bezeichnungen und Funktionen der nach Maria Theresia benannten Stadt, die 1780 als Festung gebaut wurde. Eine Festung der Habsburger gegen Preußen. Mit Gräben und Wällen, Verteidigungsanlagen und endlosen Tunneln. Eine Bastion, die nie eingenommen wurde. Eine Stadt, die 1941 unter nationalsozialistischem Protektorat alle Bewohner:innen vertrieb, um die Festung als Durchgangslager für die dorthin deportierte jüdische Bevölkerung zu gebrauchen.

In den Verteidigungsanlagen werden die Orte genannt, aus denen die Juden deportiert wurden. Und es werden die Vernichtungslager genannt, in die sie weiter transportiert und umgebracht wurden. Zudem wird der Toten gedacht, deren Urnen hier lagerten.
Neben dem umfassenden Ghetto-Museum erinnern kleinere Räume in der Stadt an die Zeit der faschistischen Herrschaft. In einem Kellerraum, der als Synagoge diente, gibt es Reste einer Wandbemalung. Über dieser Synagoge liegt eine kleine Wohnung, die erst Jahre später entdeckt und dann im Originalzustand belassen wurden.

Die Schrecken des Lagers fanden ihren Widerhall in der Kunst. In der Magdeburger Kaserne zeigt eine Ausstellung Werke, die im Ghetto Theresienstadt entstanden. Musiker wie Pavel Haas und Viktor Ullmann werden vorgestellt und es werden nachgebaute Bühnenbilder der dort geschriebenen und aufgeführten Stücke gezeigt. Daneben sehen wir unzählige Zeichnungen, Ölbilder und Aquarelle wie die unten abgebildeten von Zdenka Eismannová. Und viele Texte, Erzählungen und Gedichte. Folgend ein Auszug aus dem Lied der Verdammten von Ludwig Hift.

Die künstlerischen Aktivitäten trugen dazu bei, dass die Nazis Theresienstadt als Vorzeige-Ghetto propagierten.

Doch es existierte kein Vorzeige-Ghetto. Ein Krematorium und zwei große Friedhöfe mit Einzel- und Massengräbern zeugen von den 33.000 Menschen, die hier aufgrund der Lagerbedingungen starben. Insgesamt wurden 140.000 Männer, Frauen und Kinder in das Durchgangslager Theresienstadt deportiert. Überwiegend tschechische und deutsche Juden. Wenn sie nicht hier umgekommen sind, wurden sie nach Ausschwitz und in andere Vernichtungslager transportiert. Als die Soldaten der Roten Armee Theresienstadt im Mai 1945 erreichten, befreiten sie 17.000 Überlebende.