Tschechien: Ost-Böhmen und Schlesien

Juli 2021
Nachdem wir im letzten Jahr den Norden von Tschechien erkundet haben, ging es jetzt in den Südosten.

Hier ist die liebliche Landschaft angefüllt mit Kirchen, Schlössern und Burgen – obwohl es längst keine Fürsten mehr gibt und nur 30% der Tschechen angeben, religiös zu sein. Doch als architektonische Landschaftsgestalter sind sie nach wie vor gut zu gebrauchen. 

Die Städte haben sehr große Marktplätze an denen die Häuser größtenteils renoviert sind. Vielleicht könnte man noch daran arbeiten, diese schönen Plätze nicht als asphaltierte Parkplätze zu nutzen, wie hier in Hradec Králové.
Ja, Hradec Králové, ein Name, den wir uns nicht merken können und der verdeutlicht, warum wir von “Böhmischen Dörfern” sprechen, wenn wir etwas nicht verstehen.

In Hradec Králové übernachteten wir im Hotel Okresni Dum, entworfen vom tschechischen Jugendstil-Architekten Jan Kotera. Links zwei Beispiele schöner Details im Hotel. Jan Kotera entwarf 1909 auch das rechts abgebildete Museum of the Eastern Bohemia, gegenüber von unserem Hotel gelegen.

Im alten Elektrizitätswerk wird heute nach erneuerbaren Energien geforscht. Die Elbe fließt gemächlich vorbei und wird etwas später durch den Zufluss der Adler gespeist, um Fahrt aufzunehmen bei ihrer Tour Richtung Norddeutschland.

Das Schloss Litomysl ist eins der bedeutendsten Renaissance-Denkmäler Tschechiens. Die Innenräume können wir nur mit einer Führung besichtigen, die alle dreißig Minuten stattfinden. Auf unsere Frage, ob es auch englischsprachige Führungen gibt, erzählt uns die Angestellte, dass es im letzten Halbjahr insgesamt vielleicht zehn ausländische Besucher*innen gab und daher die Nachfrage viel zu gering ist. Ob dies an der Corona-Zeit liegt oder immer so ist, erfahren wir nicht.

Der Steinkohlebergbau war ein zentraler Arbeitgeber in Ostrava, deren letzte Hochöfen 1989 erloschen. Durch die Ansiedlung anderer Industrieunternehmen gelang der Strukturwandel in der schlesischen Stadt relativ gut. Die Anlagen der Kohleförderung und -verarbeitung können heute besichtigt werden und bilden ein skurriles Ambiente für Kulturveranstaltungen.

In der Doppelstadt Český Těšín / Cieszyn begegnen wir der offenen europäischen Grenze. Die Oder trennt hier Tschechien und Polen, auf deren Brücken nur kleine Schilder darauf aufmerksam machen, dass man eine Landesgrenze überschreitet.

Und die Menschen in Tschechien: sympathisch, freundlich und zurückhaltend. Es ist ein angenehmes Völkchen. Aber auch eins, dass scheinbar unter sich bleibt. Zuwanderung findet kaum statt. Wir sehen keine Frau mit einem Kopftuch, keinen Mann mit einer Kippa. Das einst reichhaltige jüdische Leben hat sich (noch) nicht wieder etabliert.
 
Das war unsere erste Woche in Tschechien – in Ost-Böhmen und Schlesien. In der zweiten Woche geht es in den Süden, nach Mähren.