Nordkorea

Pjöngjang: Panzern winken

Wir hören, dass es eine Parade zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung geben soll. Natürlich wollen wir hin. Unsere Reisebegleitung lacht: nein, das sei nicht möglich. Selbst er ist noch nie auf solch einer Veranstaltung gewesen. Doch wir sind hartnäckig und irgendwann eröffnet sich die Möglichkeit, zumindest den Abzug der Parade vom Kim-Il-Sung-Platz zu verfolgen. Also machen wir uns auf zur Okryu-Brücke. Unterwegs sehen wir einen Formationsflug, der die Zahl 105 darstellt und dabei Leuchtfeuer abgibt, ebenso eine 105 bildend.

Das Ende der Okryu-Brücke wird durch einzelne Militärs abgesperrt. Wir wissen nicht, ob wir diesen Abstand halten müssen und warten. Als wir nach einer Weile bis zur Straße vorgelassen werden, kommen uns erste Akteur:innen entgegen. Dunkel gekleidete Frauen und Männer, die rote, rosa und gelbe Puschel tragen. Es folgen große Themenwagen, welche – anders als uns bekannte Karnevalsumzüge – die Politik verherrlichen statt sie zu karikieren. Mit Aufbauten, die das Land und die Errungenschaften der Demokratischen Volksrepublik und ihres Führers preisen.

Dann rollen erste Panzer vorbei. Das Rasseln der Ketten auf dem Asphalt ist ohrenbetäubend und die Dieselmotoren entlassen immer mal wieder stinkende Qualmwolken. Junge Soldat:innen winken voller Leidenschaft von den Fahrzeugen. Sind sie froh, ihre Parade vor dem Führer ohne Fehler vollendet zu haben oder freuen sie sich am Zuspruch des Volkes, dass jetzt links und rechts der Straße Fähnchen und Puschel schwingt? Ihre Begeisterung ist ansteckend und wir Pazifisten lassen uns hinreißen, Panzern zuzuwinken. 

Am Abend gehen wir zum Abschluss des Feiertages auf die Yanggak Brücke, sehen rechts unser Hotel und in der Ferne ein Geburtstags-Feuerwerk. Vor uns liegt schwarz der Fluss Taedong  und spiegelt das Leuchten. 

Auf dem Kim-Il-Sung-Platz sehen wir am nächsten Tag die Markierungen, nach denen sich die Menschen dort zur Parade aufgestellt haben. Die Notwendigkeit dieser genauen Ordnung wird am Abend bei der Fernsehübertragung deutlich. In sekundenschnellem Wechsel halten die Beteiligten ihre rosa, roten oder gelben Puschel nach oben. Durch den Wechsel werden Schriftzüge und Zahlen gebildet, die im nächsten Moment wieder verschwinden.

So huldigt das System sich selbst, ihrem Führer und seiner Elite. Der Marschall, wie Kim Jong-un betitelt wird, seit er neben der Staatsführung auch die der Armee übernommen hat, salutiert wie sein General. Die anderen Gäste der Ehrentribüne klatschen – dem Marschall oder dem vorbeiziehenden Militär? Wohl beidem.

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