Eine Geschichte

aus London: Vor dem Monument

Wir saßen auf der Bank vor dem Monument. Es war recht warm an diesem Nachmittag Mitte Mai und wir fanden es angenehm, draußen zu sitzen. Wenn ich wir sage, muss ich anfügen, dass es zunächst kein Wir gab, wir kannten uns nicht einmal. Es waren zwei Ichs, die dort auf der Bank in der City of London saßen. Während Taylor, das eine Ich, die Zeitung las, machte ich mir Notizen für eine geplante Bewerbung. Wir hatten uns nur oberflächlich wahrgenommen: ist der Platz noch frei? Ja, bitte.

Nach einer Weile fragte Taylor, ob die Zeitung, die zwischen uns lag, mir gehöre. Nein, die muss wohl jemand liegen gelassen haben. Gut, dann guck’ ich mal rein. Wollen Sie die Times lesen? Oh, tatsächlich, ich wäre am Stellenmarkt interessiert.

Und so begann unser Gespräch. Über mein Studium: ach, Management Assistant, sehr interessant, und Marketingkommunikation, doch, eine zentrale Anforderung. Und sein Unternehmen: Consulting, ja, viel Planung und Beratung. Nein, nicht so groß. Strategien, Zielsetzungen. Worte wechselten. Standards. Analyse. Hin und zurück. Corporate Identity, Kampagnen. Und, was schreiben Sie? Wir landeten bei Erwartungen und Zielen.

Inzwischen arbeite ich schon zwei Jahre bei Taylor. Meine Bewerbung ist über den Entwurf nie hinausgekommen und den Stellenmarkt der Times habe ich bis heute nicht gelesen.
Wenn wir neue Ideen brauchen, sitzen wir oft auf der Bank vor dem Monument.