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Reisebericht Nordkorea | 8

April 2017

Abschied

Früh am Morgen geht die Fahrt zum Flughafen und um 10 Uhr startet unsere Maschine Richtung Peking. Der Abschied von Song San und Ye Sin ist etwas melancholisch. Wie wird es mit diesem Land weitergehen?

Nach dem Frühstück blicke ich aus unserem Zimmer im 43. Stockwerk an der Hotelwand entlang gerade nach unten. Das Basketballfeld ist auf die Entfernung kaum als solches auszumachen. Die Bäume sind voller Frühlingsgrün, es ist der 20. April. Zwei Männer, die in einem kleinen Boot auf dem Taedong rudern, werfen etwas ins Wasser. Von oben kann ich nicht erkennen, ob sie angeln.

Wir müssen uns beeilen. Christian war ärgerlich, dass wir nicht eine Stunde früher zum Flughafen gefahren sind. Doch von Song San und Ye Sin bekamen wir bestätigt, dass wir reichlich Zeit haben und so wollen wir nicht ganz so früh fahren. Aber wir wollen Christian auch nicht quälen und beeilen uns, zum Bus zu kommen.

Als wir im Auto sitzen, fängt es wieder an zu regnen. Dabei hat der Tag sonnig begonnen. Wir fahren an der Chollima-Statue vorbei. Chollima ist ein geflügeltes Pferd aus der koreanischen Mythologie. Die Statue ist 46 Meter hoch und wurde 1991 zum 49. Geburtstag von Kim Il Sung errichtet. Auf dem Pferd reiten zwei Personen: ein Arbeiter, der einen Brief der Partei in die Luft streckt und eine Bäuerin mit einer Garbe Reis.

Etwas weiter außerhalb sehen wir von Ferne den Friedhof der Märtyrer. Auch dies ist ein Ort, den wir in den acht Tagen nicht besichtigten. Aber er gehört zu den Orten, die Gästen gezeigt werden – im Gegensatz zu vielen anderen. Ich las, dass etwa 80% des Landes Ausländer*innen nicht zugänglich sind.

 

Auf dem Weg zum Flughafen gibt es plötzlich eine Produktwerbung – die erste, die wir überhaupt in Nordkorea sehen. Es wird für Autos der Pyeonghwa Motors Corporation geworben. Diese Automarke ist ein Joint-Venture zwischen süd- und nordkoreanischen Autobauern mit Fabrikanlagen in Nordkorea. In westlichen Medien wird aber berichtet, dass das Auto derzeit in China gebaut wird und die Fabrikation südlich von Pjöngjang ruht.

Bevor wir zum Flughafengebäude kommen, werden wir von Kim Il Sung und Kim Jong Il verabschiedet – zumindest symbolisch auf einem Gemälde. Wir sahen in den vergangenen Tagen viele Varianten der Darstellung des ewigen Präsidenten und des ewigen Generalsekretärs. Wäre ich nicht an dem Foto interessiert, würde ich wahrscheinlich nicht mehr hingucken. Ob die Menschen Nordkoreas noch den Blick für die Darstellungen ihrer Führer haben?

Unser Flugzeug startet um 10 Uhr. Wenn wir die wenigen Stunden an unserem Ankunftstag und die von heute abrechnen, waren wir eigentlich nur sechs Tage in Nordkorea. Es ist erstaunlich, wie viel wir in diesen wenigen Tagen gesehen haben.

Wir werden von Ye Sin und Song San verabschiedet. Wir, dass waren Maike, Ralf und ich. Christian war in der Sicherheitszone verschwunden, sobald wir das Gebäude betraten. Er schien wirklich panische Angst zu haben, das Flugzeug zu verpassen. Als wir durch die Sicherheitszone gehen, drehen wir uns nochmals um und winkten Song San und Ye Sin ein letztes Mal zu.

Das war Nordkorea. Ein Besuch im April 2017. Wie wird sich das Land weiter entwickeln? Besteht die Gefahr, dass es zu einem Krieg zwischen Nordkorea und den USA kommt?

Hat der noch immer junge Kim Jong Un die Möglichkeit, sein Land umzubauen und andere Wege einzuschlagen? Auch wenn er als großer Führer verehrt wird, gibt es Kräfte, denen es vielleicht schwerer fällt, neue Strukturen zuzulassen. Da ist Kim Yong Nam, seit 1980 – also zu Regierungszeiten des Staatsgründers Kim Il Sung – Mitglied des Politbüros und seit 1998 Vorsitzender des Präsidiums der Obersten Vollversammlung und damit protokollarisches Staatsoberhaupt. Dann gibt es Pak Pong Ju, auch er seit 1980 im Zentralkomitee der Partei der Arbeit und heute Vorsitzender des Ministerrates. Pak ist inzwischen 79 Jahre alt, Kim Yong Nam fast 90.

Natürlich ist die Lage nach einem Kurzbesuch nicht wirklich zu
beurteilen. Aber keine Bevölkerung eines Landes und weder die Menschen in den Vereinigten Staaten noch die in Nordkorea, wollen einen Krieg. Die Erfahrung mit den Amerikanern war und ist für viele Länder schwierig. Aktuell wollen die USA das Atomabkommen mit dem Iran kündigen. Wie soll da Nordkorea vermittelt werden, dass sie Absprachen mit den USA treffen sollten? Dann bauen die USA derzeit in Südkorea südlich von Seoul einen neuen Militärstützpunkt für 42.000 Militärangehörige. Kostenpunkt: 11 Milliarden Dollar. Schafft das Vertrauen? Und es gibt auf der anderen Seite die Situation in Nordkorea. Es gibt die 80%, die den Gästen nicht gezeigt werden. Es gibt die Berichte über Arbeitslager, über Kontrolle und Bespitzelung der eigenen Bevölkerung. Die Pressefreiheit ist praktisch nicht vorhanden. In der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt Nordkorea wieder – vor Eritrea – den vorletzten Platz. Eine freie und offene Information der Bürger*innen gibt es nicht. Das WorldWideWeb kann nicht genutzt werden.

Es muss Veränderungen in Nordkorea geben. Diese sind wahrscheinlich nur mit Hilfe Chinas möglich, die als letzte Verbündete gelten. China hat sicher kein Interesse, dass sich die beiden Koreas zu einem kapitalistischen Land unter südkoreanischer Leitung vereinigen und die Amerikaner somit direkt an der eigenen Grenze stehen. Die Verhandlungen zu einem unabhängigen, blockfreien Korea stehen aber derzeit – soweit ich es überblicken kann – nicht auf der Agenda. Insofern gibt es viele Fragen und wenn ich jetzt einen Artikel über Korea in der Zeitung sehe, lese ich diesen intensiv, da ich die Hoffnung habe, dass sich etwas in eine Richtung bewegt, die friedlich und für alle akzeptabel ist.

Unser Reiseveranstalter war Nordkorea-Info.de den ich gerne weiter empfehle für eine gute Organisation, einen freundlichen und hilfsbereiten Online-Kontakt im Vorfeld und einen reibungslosen Ablauf der Reise.

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