Auf unserer Erkundung des Ruhrgebiets sind wir nach unsrer ersten Route durch Duisburg nun in Essen unterwegs
Essen. Es gibt sicherlich unzählige Beispiele, in denen der Name der Stadt mit dem Wort für Nahrungsaufnahme gleichgesetzt wird. Wie links: Kommt Essen! Doch der Name der Stadt leitet sich wohl von einem Kloster mit dem Namen Essenda ab. Die Innenstadt erinnert uns an Duisburg: praktisch, aber nicht besonders schön. Und besonders unschön ist das Rathaus in Gestalt eines klotzigen Büroturms. Das Umfeld der Innenstadt ist geprägt von einem Stilmix der Nachkriegsmoderne. Hier wurde viel zerbombt und es musste schnell wieder aufgebaut werden. Aktuell durchzogen von vielen Baustellen.
Unser Hotel zeigt ein Beispiel aus einer anderen Zeit: es wurde 1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut. Im Umfeld des Hotels entstehen aktuell neue Apartmenthäuser und Bürobauten. Ja, es wird viel gebaut in Essen. Manchmal dauert es aber, bis ein Bau realisiert wird. Das Aalto Theater wurde 1959 vom finnischen Architekten Alvar Aalto entworfen, aber erst 1983, sieben Jahre nach seinem Tod, gebaut. Anbei ein weiteres Wahrzeichen: der RWE Turm als das höchste Gebäude der Stadt.
Vor dem Folkwang Museum begrüsst uns eine alte Bekannte. Das Museum wurde 1902 vom Kunstsammler Osthaus in Hagen gegründet und kam 1922 nach Essen. Es blieb dort seiner Intension, ein Museum der Moderne für das Volk (Folkvanger) zu sein, treu und der Eintritt in die Sammlung ist bis heute kostenlos. 2010 bekam das Museum einen lichten Neubau. Die gläsernen Innenhöfe bringen viel Licht und schaffen einen offenen Charakter. Das Konzept der Sammlung vereinigt Werke der Moderne mit aktueller Kunst zu einem Thema in einem Raum. Der Neubau wurde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung finanziert.
Alfred Krupp lies sich 1870 mit der Villa Hügel sein Schloss im Essener Süden bauen. 399 Räume auf 11.000 Quadratmetern mit repräsentativen Sälen und dem Arbeits- und Wohnbereich. Nicht nur der Kaiser war hier ein gern gesehener Gast. Im Eingangsbereich hängt neben anderen Portraits der Familie ein Portrait von Alfred Krupp. Sein Urenkel Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wurde 1907 in der Villa geboren. Dieser leitete das Unternehmen während des zweiten Weltkriegs und wurde anschliessend inhaftiert und enteignet. Doch wurde er im Zuge einer Amnestie-Welle begnadigt. Sein Sohn Arndt verzichtete aufs Erbe und übertrug es einer Stiftung. Heute ist die Villa ein öffentliches Denkmal.
Die Villa Hügel ist von einem 29 Hektar großen Park umgeben. Am Rande dieses Parks lies Krupp die Siedlung Brandenbusch errichten. Grosszügige Häuser für die Bediensteten der Villa. Die Siedlung folgte den Idealen der Gartenstadt und ermöglichte den Angestellten ein bevorzugtes Wohnen. Doch die Menschen wurden so auch an die Krupps gebunden. Die im Norden von Essen errichteten Arbeitersiedlungen waren weniger grosszügig. In einem Haus wie in der abgebildeten Siedlung Meerbuchstraße lebten sechs Familien. Sie arbeiteten in der nahegelegener Zeche Zollverein.
In der Zeche Zollverein wurde von 1851 bis 1986 Steinkohle gefördert. Und obwohl es seit 25 Jahren ein Weltkulturerbe ist und ein Museum beherbergt, fanden wir die Erkundung des Industriegebietes in Duisburg spannender. Dort konnten wir über Stege und Leitern auf die skurrilen Stahlbauten, während es hier in Essen doch eher eine museale Betrachtung ist. Eine Besonderheit ist hier ein Zeppelin, der übers Gelände fliegt. Zum Schluss stossen wir auf einen Fahrstuhl, der uns auf ein Dach bringt. Von hier haben wir einen Überblick und können bis zur Innenstadt blicken. Und wir sehen, wie grün die Stadt ist.
