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Duisburg

Wir haben uns vorgenommen, das Ruhrgebiet zu erkunden und im April 2026 mit Duisburg begonnen.

Der Hauptbahnhof im Stil der klassischen Moderne der 1930er Jahre führt uns in die Fussgängerzone der Königstraße. Eine breite, begrünte Allee. Die Geschäfte erregen in uns allerdings keine Kaufgelüste. Am Ende der Strasse liegt das Rathaus im Neo-Barock-Renaissance-Stilmix. Im Inneren kann man den Parlamentssaal des Stadtrates besichtigen und Paternoster fahren.  Die daneben liegende gotische Salvatorkirche ist die Hauptkirche der Stadt. Es wird aber betont, dass es kein Dom ist: „einen Dom haben wir nicht in Duisburg“. Die Strassenbahn fährt hier unterirdisch und die grosszügigen Stationen verbreiten ein vollwertiges U-Bahn Ambiente. 

Mit der Strassenbahn fahren wir in den Stadtteil Hamborn. Dieser ist voll in türkischer Hand: Supermärkte, Basare, Cafés und besonders: Brautmoden. Jedes zweite Geschäft präsentiert Massen mehr oder weniger ausladender Hochzeitskleider. So viel geheiratet kann gar nicht werden. Aber vielleicht ist es auch die Brautmoden-Meile für das gesamte Ruhrgebiet. Im Unterbezirk Marxloh wohnen eher Bulgaren und Rumänen. Einige Häuser stehen leer und wahrscheinlich kurz vor dem Abriss. Die oft bemängelnde Vermüllung des Stadtteils können wir nicht feststellen. 
 

In Hamborn und Marxloh stehen viele Gebäude aus der Bauhaus-Zeit der 1920er Jahre. Eine Architekturepoche, die uns sehr interessiert und die wir auf unseren Reisen durchs Ruhrgebiet immer mal wieder aufspüren werden. Die damals noch eigenständige Stadt Hamborn erlebte durch die Zeche Neumühl einen enormen Aufschwung und wurde 1925 eine Großstadt mit 125.000 Einwohner*innen, die umfassenden Wohnungsbau erforderlich machte. Heute stehen viele Gebäude und Siedlungen unter Denkmalschutz.

Viele der großen Industrieanlagen im Ruhrpott werden nicht mehr genutzt und sind daher umgewidmet worden. Duisburg hat einen Landschaftspark geschaffen, der das Industriegebiet in einen grünen Park einbettet, in dem die Stahlbauten langsam von der Natur eingenommen werden. Wir können hier zwischen und auf den Gebäuden herumlaufen und bekommen intensive Eindrücke der mächtigen Kolosse. Aber auch der Macht des zarten Frühlingsgrüns, dass sich seinen Weg zwischen Eisen und Stahl sucht.
 
Im Innenhafen am Rand der Innenstadt liegt die Flotte der Hafenrundfahrten. Mit ihnen kann man eine Runde durch das Hafengebiet drehen, ein Gebiet mit dem größten Binnenhafen Europas. Hier sind die Krähne noch in Betrieb und verladen Schrott von einem Haufen auf den anderen. Ware, die umgeschlagen wird,  ist leider nicht zu sehen, da alles in Containern transportiert und verladen wird. Auch die an Land stehenden riesigen Lagerhallen erlauben keinen Blick auf Handelsgüter. 
 

Am Innenhafen liegen umgewidmete Industriebauten. Die Küppersmühle beherbergt hier ein großes Museum zeitgenössischer Kunst. Auf über 6000 qm werden die Sammlungen von Hans Grothe und Sylvia Ströher präsentiert. Die Küppersmühle ist dafür edelst um- und ausgebaut worden. Neu gestaltete Treppenhäuser verbinden die vier Etagen mit großzügigen White Cubes. In der Sammlung befinden sich Werke aller wichtigen deutschen Künstler der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Es sind aber zu so gut wie nur männliche Künstler vertreten und die Sammlung verdeutlicht damit eine bestimmte Haltung. Vor dem Museum liegt die U-Boot Skulptur von Andreas M. Kaufmann und Hans Ulrich Reck im Innenhafen. Auf ihr ist spiegelverkehrt bzw. von innen zu lesen: ICH KANN, WEIL ICH WILL, WAS ICH MUSS.

Die begehbare Achterbahn Tiger & Turtel liegt wie eine große Skulptur zwischen Rheinmetall und Mannesmann im Süden Duisburgs. Außer dem Looping kann man alle Schwingungen durchlaufen und hat einen weiten Blick über die Stadt. Die Stadt ist insgesamt mit vielen Skulpturen bestückt. Die wohl bekanntesten sind der Kopf des „Echo des Poseidon“ von Markus Lüpertz am Übergang von der Ruhr in den Rhein und die Figur im „Livesaver Brunnen“ von Niki de Saint Phalle im Zentrum. In der Innenstadt gibt es immer wieder Plätze mit Brunnenskulpturen, die zum Entspannen einladen und die Luft erfrischen.
 

Duisburg war ein guter Auftakt unserer Ruhrgebietserkundung. Wir werden hier weiterziehen und in unregelmäßigen Abständen davon berichten.

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